1. Die Innensicht eines Introvertierten.

    Können wir nicht einmal aus der Zeit fallen?
    Sei es gegen die Zeit; gegen den Zwang,
    Am Bahnhof, in den großgrünen Wartehallen,
    Ein Ort des Abschieds/Empfangs;

    Im kleinen Bahnsteigcafè vor dir lese ich;
    Blickst leer in das menschenvolle Speiseabteil,
    Aus goldgelben Champagner gemaltes Gesicht,
    Sekunden später ist unsere Szenerie vorbei;

    Zerkratzte Namen in euren Fensterscheiben,
    Blickst voll in das menschenleere dunkle Abteil;
    Ein Sterni neben dir, Prosa in deinen Händen;
    Doch auch dein Zug huscht vorbei;

    Wir sahen uns nur das kurze kleine*keine mal,
    Durchnässt streifst du über die kalten Plätze,
    In unserer Welt aus Blocksatz und Versmaß;
    Verschlucken wir manchmal Worte; ganze Sätze.

    Unsere schwarzen Worte sind Fragmente,
    Dessen, was für uns unaussprechlich sei,
    Seicht verblühende Gedanken rau(s)chend,
    Züge*Zigaretten zi(e)(sc)hen an uns vorbei.

    Doch wann ist unsere Zeit?

     

  2. Medien in der Kritik; Ein Ansatz.

    Einer der Gründe warum ich in den letzten Wochen mehr Lyrik denn längere Texte hochlud, war unter anderem der, dass mir wenig Zeit blieb um durchatmen zu können, um einen kritischen Gedanken in einem Fließtext ausarbeiten zu können, da ich in den letzten Wochen den Ort öfter wechselte, als so mancher sein T-Shirt im Sommer. Rom, Hamburg, Föhr, Hannover und natürlich auch Berlin waren die Orte an denen ich zu finden war, bis ich nun zum letzten Schuljahr meines Lebens zurück in jene Kleinstadt gekehrt bin, in der ich gedenke mein Abitur am dortigen Internatsgymnasium abzulegen, wenngleich ich extern wohne. Jedoch habe ich noch nicht die Zeit gefunden jeden Gedankengang der vergangenen Wochen aus meinem kleinen rötlichen Notizbuch in das digitale zu übertragen und noch nicht ganz die vergangenen Wochen vollends verarbeiten und rezipieren können. Dem zur folge werde ich nachfolgend einen Gedankengang nachgehen, auf den ich in jeder der oben genannten Städte mehrmals gestoßen bin, und welcher mir zuweilen zu wenig differenziert vorkommt. Die Medienkritik. Eine Thematik die mir so manches schmunzeln aber auch Kopfzerbrechen bereitete, als mir in einem kleinen Berliner Cafè die wildesten Geschichten über Medienmanipulation, bestechliche Journalisten und die ausgefeiltesten Verschwörungstheorien über Funk und Presse vermittelt wurden, die mehr einem, zugegeben gut erzählten, Populärroman glichen, denn das diese einen wirklichen politikwissenschaftlichen Anspruch folgten.

    Zunächst einmal sollte jedoch, um meine Perspektive vollends nachvollziehen zu können, das Grundverständnis der Medien dargelegt werden, welches diesem Artikel zugrunde liegt. Medien, egal ob Massenmedien oder Blogs, sind primär Mittel zur Kommunikation, näher beschrieben dienen diese also als Medium, als sinnbildliche Brücke, zwischen einem Sender (Journalist*innen) und den jeweiligen Empfängern aus denen sich das Publikum einer Publikation zusammensetzt. Dabei wird in der Regel zwar ein Wahrheitsanspruch verfolgt, dieser ist jedoch alles andere als Objektiv, da einem menschlichen Handeln, denn nichts anderes sind Journalist*innen auch wenn natürlich hin und wieder animalische Vergleiche öffentlich rezipiert werden, immer eine Subjektivität zu Grunde liegt. Kurz gesagt erzählt ein Journalist immer die eigene, keine Objektive Sichtweise, die durch seine individuelle Prägung von anderen divergieren kann. Würde man zehn Menschen danach fragen, wie diese beispielsweise ein bestimmtes Werk eines bekannten Autoren der Weimarer Republik, empfunden haben, so würde man zehn unterschiedliche Reaktionen (abgesehen davon, dass die Majorität wahrscheinlich ebenjenes Werk erst gar nicht gelesen hat) vorfinden können, warum also sollten Ereignisse und politisches Geschehen aus einer singulären heraus wiedergegeben werden. Ausgenommen der öffentlich rechtlichen sind Medienunternehmen zudem, was oftmals bei allem Idealismus (den ich selbst, zugegeben, teile) vergessen wird, Unternehmen die marktwirtschaftlich agieren und, im Regionalbetrieb stärker als im Überregionalen, auf Anzeigekunden angewiesen sind, was natürlich in eine Abhängigkeit führt, die sich unter Umständen auch redaktionell auswirken kann. Bevor ich jedoch auf ebenjene ökonomischen Aspekte eingehe, sollte erst einmal Bezug genommen werden, zu einem Ausruf, der wahrlich Platz in einem Bullshitbingo oder dergleichen finden könnte “Warum haben die Medien über XYZ denn nicht berichtet?”, einer Frage woraufhin eine Beschreibung der wildesten Verstrickungen und interpersoneller Beziehungen folgt, die gar an clichehafte Familientreffen und deren Personenbeschreibungen erinnern: “Du kennst doch bestimmt Herrn Müller? Das ist der Cousin vom Nachbaren des Schwagers von Annelise, den wir, jetzt müsste eine Jahreszahl folgen, beim Nachmittag in, irgendein Clichehaftes Reiseziel oder (als annekdote an meine Exfreundin) im Penny, getroffen haben.”, mit dem einzigen Unterschied das noch ein wenig Kapital im Spiel wäre bei jenen verschwörungstheoretischen Ansätzen.

    Wer hat sich nicht einmal die Frage gestellt, warum gerade soviel passiert, wie in eine Zeitung passen würde? Passiert nicht auf der Welt soviel mehr, wäre es da nicht möglich, dass bestimmte Informationen und Themen keinen Platz in den Berliner und Schweizer Formaten, den ganzen Universen aus Blocksatz und Überschrift, finden? Die Antwort sollte lauten, natürlich, der kritische Leser fragt, warum ist das so? In der Empirischen Kommunikationsforschung existiert die Agenda Setting Theorie, welche ein Erklärungsansatz dieses Phänomens darstellt, und sich aus drei Begriffen die in der Forschung betrachtet werden zusammensetzt, zum einen das Awareness Modell, zum anderen das Salience und Priorities Modell. Im ersten Modell kommt den Medien eine Thematisierungsfunktion zu, während in den anderen beiden jeweils von einer Strukturierungsfunktion in der Gewichtung der Öffentlichkeitsdarstellung ausgegangen wird. Das Awarenessmodell dient, wie nicht anders zu erwarten, zum generieren von Aufmerksamkeit für bestimmte, hervorgehobene Themen. Das Gegenteil des Agenda Setting wird als Agenda Cutting bezeichnet, sprich werden dort Themen aus der Öffentlichkeitswahrnehmung gedrängt, durch setzen neuer Schwerpunkte. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass Politik und auch Journalismus selten in einem Vakuum geschehen und sich eine Theorie nicht eins zu eins auf die Öffentlichkeit anwenden lässt, so spielen in der öffentlichen Themensetzung auch soziologische Gruppenverhalten, beispielsweise Themen die im Freundeskreis zirkuliert werden, oder aber gegenwärtig, soziale Medien eine ganz andere Wirklichkeit schaffen, als es in der Entstehungsphase der Theorie in den 1950er Jahren, der Fall war, dennoch ist davon auszugehen das die Existenz der Massenmedien weiterhin mit großem gesellschaftlichen Einfluss einhergeht.

    Eine weitere Frage die mit dem Agenda Setting einhergeht ist natürlich die, wer ein solches betreibt? Während in den privaten Medien durch Redaktionssitzungen der Themenschwerpunkt erschlossen wird, sollte hier einmal der Fokus auf die sogenannten staatlichen Medien, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, gelegt werden. Genauer auf den Rundfunkrat. Während der noch andauernden Ukrainekrise wird den staatlichen Medien eine tendenziöse antirussische und größtenteils dem NATO Bündnis und der Westukraine wohlwollende Berichterstattung vorgeworfen. Jenseits sämtlicher Objektivitäts und Neutralitätsansprüche sollte sich bei einem jeden Text, auch den meinen gerade gelesenen, gefragt werden, wer der Autor dieses ist und welche Absichten dieser verfolgt, genauer und kurzum zusammengefasst, wer überhaupt die Medien macht. Der Rundfunkrat soll, so sieht es in der Theorie aus, den gesellschaftlichen Querschnitt repräsentieren, was natürlich ein erster Ansatz der Kritik wäre in Anbetracht dessen das religiöse Insitutionen beispielsweise vertreten sind, wohingegen agnostische oder laizistische kein Delegationsrecht inne haben, auch wäre es fraglich wer den gesellschaftlichen Querschnitt definiert. Zunächst einmal ist es im Status quo jedoch festzuhalten, dass 50% des Rates staatlich besetzt sind. Sicher wird das Programm nicht durch den Rundfunkrat redigiert und definiert, jedoch entsendet dieser Intendant*innen, welche mit der Programmplanung wiederum beauftragt werden, der Rat selbst hat dabei nur eine beratende Funktion. Es ist somit anzunehmen, dass der Einfluss der jeweiligen gewählten Regierung, auf Landesebene bei den jeweiligen Landesanstalten, auf Bundesebene beispielsweise im ZDF Fernsehrat, durchaus vorhanden ist und in einem westlich geprägten Staat wie der Bundesrepublik pro-russische Stimmen eher rar ausfallen sollten in den Nachrichtensendungen, wenngleich diese natürlich in Diskussionsrunden welche auch ausgestrahlt werden durchaus ihren Platz findet.

    Es ist somit entscheidend sich bei jedem gelesenen Artikel die Frage zu stellen, wer diesen schreibt und für wen jene in schwarz auf dünnem Zeitungspapier gedruckten Zeilen denn geschrieben wurden. Das Auslandsresort zweier überregionaler Zeitungen, der Sueddeutschen und der Frankfurter Allgemeinen, beispielsweise ist personell mit der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, einer staatlichen Institution, verknüpft und so manch ein Redaktionsraum, sei es bürgerlich oder Boulevard, gleicht wahrscheinlich bereits einer raumgewordenen Atlantik-Brücke der nur noch die sinnbildlichen Big Macs und Coca Cola Glasflaschen fehlen, welche den ersten Kaffee zur Redaktionssitzung ersetzen. Es ist ein Irrglaube das Medien meinungsplural Bericht erstatten würden und überhaupt auch nur einen Anspruch der Objektivität haben, nicht umsonst heißt die Unterzeile des Freitags “Meinungsmedium.” und genau dies trifft die Kernfunktion der Medien auf den Kopf, die Hilfe zur Meinungsbildung im kritischen Diskurs. Doch leider fehlt ebenjener Diskurs oftmals im Konsumverhalten, einer Meinungslandschaft bedarf einer kritischen Leserschaft, die im Dialog mit Journalist*innen, im digitalen Zeitalter ist diese Möglichkeit gegeben, steht, kein unreflektierte Meinungskonsum ohne kritische Instanz. Wer den Medien vorwirft, diese würden Lügen, unterstellt zugleich das es eine objektive Wahrheit gäbe, doch nur wer die Wahrheit sucht ist interessant, wer glaubt diese im absoluten gefunden zu haben gefährlich. Publikationen dienen der Erweiterung unseres Subjektiven Horizonts, auch sollte eine asymmetrische Informationsverteilung bedacht werden, sicher werde ich später noch Bezug darauf nehmen, dass ein weglassen von Informationen das Meinungsbild verändern kann, doch nicht jedem Journalisten stehen auch alle Informationen zur Verfügung, es ist Aufgabe des Lesers mehrere Quellen heranzuziehen und diese kritisch dialektisch zu beurteilen. Wenn die eigene Sichtweise nicht konform mit der des Artikels ist, so ist dieser nicht gleich Unwahr, nur die Sichtweisen sind nicht kompatibel. So würde die meine Person, als linksorientierte, niemals jubelnd eine Laudatio auf Steuersenkungen im Gastronomiebereich oder einer Kürzung der Sozialausgaben lesend aufnehmen, wohingegen dies dem ein oder anderen Hotelier einer gelben Spaßpartei durchaus gefallen könnte.

    In diesem kleinen Umriss der Medienkritik sollte natürlich auch auf einen linguistischen Ansatz Bezug genommen werden, da diese nicht nur rein sozialwissenschaftlich, sondern interdisziplinär geübt werden kann. An dieser Stelle sei natürlich erst einmal das Essay Politics and the Englisch Language zu erwähnen, welches von George Orwell geschrieben wurde und bereits abgegriffen eines meiner Lieblingsessays darstellt, sofern ich denn in mein Bücherregal herüberschiele. Orwell ist der Ansicht, dass der direkte Gegensatz von klarer Sprache die Unaufrichtigkeit ist. “The great enemy of clear language is insincerity.” in diesem kleinen Satz steckt, so wie sich das große im kleinen spiegelt, eine weitreichende Sprachkritik der politischen und medialen Linguistik.

    “Defenceless villages are bombarded from the air, the inhabitants driven out into the countryside, the cattle machine-gunned, the huts set on fire with incendiary bullets: this is called pacification. Millions of peasants are robbed of their farms and sent trudging along the roads with no more than they can carry: this is called transfer of population or rectification of frontiers. People are imprisoned for years without trial, or shot in the back of the neck or sent to die of scurvy in Arctic lumber camps: this is called elimination of unreliable elements. Such phraseology is needed if one wants to name things without calling up mental pictures of them.”

    - George Orwell

    Euphemismen und der Diminutiv scheinen Stammgäste zu sein in der Gedankenwelt alljener Politikberater, Fraktionsmitarbeiter und Bundestagsabgeordneten. So kann man auch in den Medien feststellen, wie Sprache Bewusstsein schaffen kann. Ist es nun ein Krieg oder eine Friedensmission? Soll man es Regierungskrise oder Meinungsdifferenz nennen? Allein durch die bloße Wortwahl kann eine Information komplett kontrastär konnotiert werden “Die Klausur ist leider hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben, es gab einige Tendenzen im wackeligen Bereich” erzeugt natürlich eine ganz andere Wirkung als “Die Klausur ist schlecht ausgefallen, es gab sechs mal vier Punkte.” Natürlich kann auch durch den Wegfall von Information das Bild welches in die Öffentlichkeit drängt verändert werden, aus dem Boulevard sollten Meldungen wie “Kind (6) stirbt bei Busunglück” bekannt sein, doch von den zehn älteren Menschen die starben und den weiteren verletzten ist erst im Hintergrund auf Seite 3 die Rede, während unkommentiert erstere Aussage die Titelseite in großen schwarzen Lettern mit als Rudeltiere gehaltenen Satzzeichen dominiert.

    Der nächste medienkritische Ansatz sollte auf ökonomischer Grundlage basieren, so ziehe ich ein simples Beispiel heran, an welchem dann Schritt für Schritt die eigentliche Kritik aufgezogen wird. In einer kleineren Stadt mit 40.000 Einwohnern existiert ein größerer Konzern welcher zugleich wirtschaftlicher Motor der Region ist, zugleich ist die Regionalzeitung aufgrund der Altersstruktur wichtigstes Informationsmedium der Bevölkerung, jener Konzern stellt sowohl eine Vielzahl an Arbeitsplätzen, als auch die majoritären Gewerbesteuereinnahmen. Nun ist es jedoch so, dass eine Vielzahl an Sicherheitsmängel und schlechte Arbeitsbedingungen an das Licht geraten. Zudem sei anzumerken, dass jener Konzern den Großteil der Anzeigen, die wichtigste Einnahmequelle neben den Verkäufen der Lokalzeitung, stellt. Der Konzern hat somit ein repressives finanzielles Mittel gegenüber der Zeitung, um eine kritische Berichterstattung zu verhindern. Im Bewusstsein dessen berichtet die fiktive Zeitung dann über das medienwirksame Sportfest des örtlichen Gymnasiums anstelle der schlechten Arbeitsbedingungen auf der Titelseite. Dieser Vorgang dürfte mit dem sogenannten Agenda Cutting, was bereits Erwähnung als Gegenpol des Agenda Setting fand, gleichzusetzen sein, da somit eine wichtige Information aus dem Wahrnehmungsrahmen der Öffentlichkeit gedrängt wird. Neben der ökonomischen Abhängigkeit jedoch, besteht noch ein weiteres Problem, welches als Informationsmonopol ohne konkrete Gegenöffentlichkeit beschrieben werden kann.

    Eine defragmentierung der Medienlandschaft, welche durch Massenmedien unter anderen vorangetrieben wird, die vielerorts gar Regionalzeitungen verdrängt haben und in distributiven Plattformen mit höheren Einstiegshürden, dem Fernsehen beispielsweise, noch stärker zur Geltung kommen, als in der digitalen Kommunikation, respektive des Internets. Ähnlich wie in der Politik sollte auch im medialen Umfeld der Grundsatz gelten, Pluralismus vor Einfältigkeit. Konkludierend ist es also eher kritisch, denn positiv, zu betrachten, dass die Tagesschau die meistgesehene Nachrichtensendung ist, die Bild eine weit verbreitete, naja Zeitung würde ich das nicht nennen, Möglichkeit ist den Backfisch in den Markthallen Hamburg-Altonas zu verpacken. Dominieren wenige Medien die öffentliche Wahrnehmung, ist natürlich auch das Spektrum des öffentlichen Konsens enger gefasst, so ist es beispielsweise nicht Verwunderlich, dass zum Beispiel ein wohlwollendes Bild gegenüber der Nato in den meisten Publikationen omnipräsent ist.

    Um jedoch abschließend noch einmal auf zweierlei Fragen zurückzukommen. Die erste sollte lauten, ob es denn nun ein Faktum sei, dass Medien manipulative Schnittstellen der öffentlichen Rezeption sind. Kurzgefasst, sind diese dies solange, wie der Leser unkritischer Beobachter, nicht jedoch aktiv gestaltend, im Meinungsbildungsprozess ist. Enzensberger formuliert dies so:

    „Ein unmanipuliertes Schreiben, Filmen und Senden gibt es nicht. Die Frage ist daher nicht, ob die Medien manipuliert werden oder nicht, sondern wer sie manipuliert. Ein revolutionärer Entwurf muß nicht die Manipulateure zum Verschwinden bringen; er hat im Gegenteil einen jeden zum Manipulateur zu machen.“ – Kursbuch 20/1970: 166

    Weiterhin sei ein Gedanke der kritischen Theorie aufgegriffen, welcher sich auf die Kulturindustrie bezieht und sich auch gen Medienindustrie abwandeln lassen kann. “Das Ziel der Kulturindustrie ist — wie in jedem Industriezweig — ökonomischer Art. Alles Bemühen ist auf wirtschaftliche Erfolge ausgerichtet.” konkludierend daraus, sollte dieser Text als Plädoyer zu verstehen sein, auch einmal den Blick jenseits größerer Medien zu werfen, und vom passiven Rezipienten, gedanklich den Schritt zum aktiven, vor allem jedoch kritischen, Leser zu machen. Ein Text in einer Zeitung ist nichts anderes als eine singuläre Darstellung einer Position, die dialektische Überlegung hin zu einer Synthese sollte vom Leser selbst kommen. Die zweite ist rhetorischer Natur und recht plump, wer macht die Mainstreammedien? Statistisch entstammen nur 9% der Redakteure gewöhnlichen Arbeiterverhältnissen, der Großteil einer mittleren bis Oberschicht, das Medienspektrum ist leider noch immer recht homogen, die Barrieren der Publikation dementsprechend recht hoch. Der emanzipatorische Prozess einer medienkritischen Gesellschaft sollte darin bestehen, die Informationsbeschaffung zu dezentralisieren, das gegebene zu hinterfragen und aktiv neues gegebenes schaffen, beispielsweise durch Onlinekommentare oder Blogbeiträge. Das Internet ist wohl das zugänglichste und von Pluralität geprägte, Medium der Massen, dementsprechend lautet der Tenor dieses kleinen gedanklichen Ausfluges in die generelle Medienkritik nicht nur informiert euch kritisch, sondern informiert auch andere, diskutiert vor allem.

     

  3. Kreuzberg Serenade

    Menschenlärm, Hochbahnen, geteilte Einsamkeit,
    Blicke in das Abendlicht, doch sehe die Sterne nicht,
    Alleine sitze ich auf der Couch deines Wohnzimmers,
    Ein Sterni auf meinem Tisch, Worte sind heilendes Gift,

    Werden meine Augen müde, rüttelst du sie wach,
    Dein kratziges Cello übertönt laut unsere Nacht,
    Dazu schwingen die Schienen der Hochbahn,
    Im Takt zu dem Sopran unserer Gespräche, Krach.

    Ihr nennt es Krach, für mich ist es die Stadtmusik,
    Deine Kunst, sie ist nicht bürgerlich, kein Dirigent,
    malt unseren Weg, kein Metronom, Konsumkritik,
    Farben der Häuserschlucht sind mein Medikament,

    Langsam füllt der Rauch die meine Lunge aus,
    Atme Stadtluft, du niemals verglühende Zigarette,
    Mein Papier, unbeschrieben wie das Rauch-Haus,
    Es ertönt schon die Aubade, Stift, Papier, Sextette,

    Eine kratzig scheppernde Vinyl, dein Oxycontin,
    Stehe auf, Streife die Schultern der Oranienstraße,
    Gehe ins Käffchen, der tägliche Schuss Koffein,
    Während der Tag anbricht: Unvollendet.

    Meine Kreuzberg Serenade.

     

  4. "Poesie ist Dynamit für alle Ordnungen dieser Welt."
    — Heinrich Böll
     

  5. Ungerahmtes Gesellschaftsportrait

    Wir spazieren auf den Straßen aus Zucker,
    Doch unsere Gesellschaft ist Diabetiker,
    Ihr schwadroniert von Werten in Geldbeträgen,
    Die Lautstärke steigt mit jedem Wort stetiger,

    Wir färben unsere Welt ein, in bunten Tönen,
    Doch unsere Städte bleiben Farbenblind,
    Während wir tanzend, frei, der Liebe frönen,
    Seid ihr des konservativen Geistes Kind.

    Zitieren Gedanken in Schwarz auf den Laternen,
    Sind der Dreck in eurer klinisch sauberen Welt,
    Vodka und klare Gedanken unter den Sternen,
    Ihr schlaft und arbeitet, akkumuliert euer Geld.

    Müssen nicht ans Meer fahren um den Strand zu sehen,
    Euren Wohlstand? Uns reicht bereits das Dopamin,
    Es reicht schon, einfach mal den Pflasterstein zu heben,
    Kugelschreiber, Notizheft, unser Amphetamin.

    Alljene Grenzen verschwinden in morgendlicher Normative,
    Leben ist die Differenz aus Musik, Text, Freiheit und Freude,
    Für euch sind wir exzentrisch, radikal, bürgerlich Tagediebe,
    Nenne es Kunst oder Dada, Philosophie, die erste große Liebe.

     

  6. "Das Vermächtnis der Toten heißt nicht: Rache – es heißt: nie wieder."
    — Erich Maria Remarque